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Trancezustand bei schamanischen Trommeln

Während einer schamanischen Sitzung geht man in einen Trancezustand, der uns stärker mit unserem inneren Bewusstsein verbindet. Dies Methode ist schon seit Menschheitsgedenken in unseren Kulturen verankert. 2015 hat nun das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften eine Studie durchgeführt, bei der die Vorgänge im Gehirn an Probanten gemessen wurden.

Das Ergebnis: Bewusstseinszustände von Trance gehen mit spezifischen Netzwerkkonfigurationen und Wahrnehmungsentkoppelung einher

8. Juli 2015 – Originaltext des Max-Planck Instituts:

” Bestimmte Methoden und Prozeduren erlauben schamanisch Praktizierenden den absorptiven Bewusstseinszustand der schamanischen Trance zu erreichen. Typischerweise wird die Bewusstseinsveränderung mittels rhythmischer Trommelmusik erzielt. In einer von MPI Wissenschaftlern und internationalen Experten der Bewusstseinsforschung initiierten Studie wurden erstmals sowohl funktionelle MRT- als auch elektrophysiologische Daten erhoben. So konnten mit dem Trancezustand einhergehende Veränderungen von Gehirnaktivität und Konnektivität aufgedeckt werden. Die Wissenschaftler fanden nicht nur Veränderungen von Gehirnnetzwerken welche mit intern ausgerichteten Gedankenströmen und kognitiver Kontrolle assoziiert sind. Sie stellten überdies auch eine Entkopplung von der äußeren Wahrnehmung fest.

Schamanische Praxistradition gehört zu den ältesten spirituellen Heilverfahren der Menschheit. Erstaunlich ähnliche Ausprägungsformen dieser extrem alten Praktiken sind kulturübergreifend in der gesamten Welt vorzufinden. Um einen Trancezustand zu erreichen, spielt rhythmisches, schnelles Trommeln häufig eine sehr wichtige Rolle.

Der Trancezustand wird von praktizierenden Schamanen oft als eine Reise in das Innere beschrieben und geht nach Erfahrungsberichten mit einer Art erweitertem Bewusstseinszustand einher, welcher innere Erkenntnisse, Klarheit und besondere Einsichten ermöglicht. Dieser veränderte Zustand wird begleitet von einer Einschränkung der Bewusstheit äußerer Umstände, beispielsweise auch der Hörwahrnehmung.
Die Beobachtung dass diese Praxis in beinahe allen Kulturen weltweit zur menschlichen Tradition gehört und überall nahezu identische Techniken hervorgebracht hat, legt nahe, dass diese schamanische Praxis eine gemeinsame neurobiologische Basis hat. Dennoch weiß man bis heute fast nichts über die neuralen Bedingungen des veränderten Bewusstseinszustandes in Trance.

Wissenschaftler des MPI und anderer Wissenschaftseinrichtungen haben nun mit einer Studie einen ersten Schritt gemacht um dieses Phänomen zu erforschen. Sie untersuchten fünfzehn erfahrene, praktizierende Schamanen aus Deutschland und Österreich mit Messungen im Magnetresonanztomographen am MPI in Leipzig. Während der Messungen wurden die Schamanen gebeten, sich entweder in einen Trancezustand zu versetzen oder dies zu vermeiden, während über Kopfhörer rhythmisches Trommeln eingespielt wurde. So konnten die Wissenschaftler anhand der gemessenen Daten und analytischer Methoden bestimmen, welche Gehirnbereiche während des veränderten Bewusstseinszustandes stärker oder schwächer miteinander vernetzt waren.

Die Datenauswertung ergab, dass bei allen Teilnehmern nach eigener Aussage ein Trancezustand erreicht wurde und wichtige Knotenpunkte des Nervennetzwerkes in drei Regionen verstärkt waren: im Posterior Cingulate Cortex (PCC), im dorsalen Anterior Cingulate Cortex (dACC) und in der Insula.

Nachweisen konnten die Forscher eine steigende Koaktivierung im PCC, einem Standard-Netzwerk, das typischerweise bei innerlich orientierten kognitiven Zuständen involviert ist, mit dem dACC und der Insula, beides Gebiete, die zum Kontrollnetzwerk gehören und dazu dienen, wichtige neurale Informationsströme aufrechtzuhalten. Diese Koaktivierung bedeutet, dass der innerlich orientierte neurale Informationsstrom verstärkt wurde durch die Modulation des Kontrollnetzwerkes.

Weiterhin fanden die Forscher heraus, dass während des Trancezustandes Knoten des auditorischen Signalweges weniger untereinander verbunden sind. Dies könnte bedeuten, dass die äußere Wahrnehmung entkoppelt, beziehungsweise die sich wiederholenden auditiven Stimuli (Trommelklang) unterdrückt wurden. Die Stimuli scheinen die Signalverarbeitung im auditorischen System zu reduzieren, was möglicherweise durch deren repetitive und damit vorhersagbare Eigenschaften bedingt wird.

Ein rascher Rhythmuswechsel wird gewöhnlich benutzt um die schamanische Reise zu beenden. Er bringt das Kontrollnetzwerk dazu, wieder äußeren Wahrnehmungen Aufmerksamkeit zu schenken und einen normalen Bewusstseinszustand herzustellen. Mit anderen Worten: Das Kontrollnetzwerk scheint die Fokussierung auf die innerlichen Bewusstseinsvorgänge zu steuern, während äußere Wahrnehmungsaufgaben entkoppelt werden, wodurch die häufig berichtete Steigerung der inneren Bewusstheit und Einsicht erzielt wird. “

Quelle: https://www.cbs.mpg.de/248825/20150708-01

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